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Glaubenssätze bestimmen unser Leben – pseudopsychologische Mythen Nr. 4
was man uns nicht alles so einreden will ....

Ist es nicht ein Glaubenssatz, dass Glaubenssätze unser Leben bestimmen?

Glaubenssätze werden als die Quelle von Konflikten und Schwierigkeiten angesehen. Das scheint allseits akzeptiert. Ist das aber wahr? Es gibt viele Trainer, Coaches und Therapeuten, ja sogar Kliniken, die mit Gegenkonzepten zu negativen Glaubenssätzen arbeiten. Erfolg gibt einem immer recht. Doch nicht immer ist der Erfolg dem Konzept zu verdanken. Nachdem ich eine Arbeit mit Fallstudien zu diesem Thema von einem ärztlichen Direktor einer in Deutschland bekannten Klinik durchstudiert hatte, erkannte ich zwei Grundtypen von "Glaubenssätzen". Mit dem einen zu arbeiten, zahlt sich kaum aus. Es handelt sich um Nebeneffekt innerer Spannungen. Der zweite Typus beschreibt nicht wirklich Glaubenssätze sondern verinnerlichte Steuerungsbefehle. Die erfolgreich behandelten Fälle, die in dieser Arbeit beschrieben wurden, konnte ich auf diesen zweiten Typus zurückführen. Hier die beiden Grundtypen, mal etwas genauer betrachtet:

 

 

1. Dem ersten Typus lasse ich die Bezeichnung Glaubenssatz oder auch englisch corebelive. Um ihn herum hat sich ein blühender Wirtschaftszweig entwickelt. Glaubenssätze sind z.B.:

 

"Ich bin nicht gut genug"

"Keiner interessiert sich für meine Bedürfnisse"

„Ich bin nicht liebenswert.“

„Keiner mag mich.“

„Ich bin zu ....“

 

Der „einschränkende Glaubenssatz“ oder auch "negative Glaubenssatz" ist der, von dem behauptet wird, er schränke Menschen ein. Doch wer denkt von sich: „Ich bin so liebenswert, alle mögen mich, alle interessieren sich für meine Bedürfnisse und ich bin gut genug“ - mal einfach so ins Blaue hinein? Diese Gedanken machen nur Sinn, wenn man mit ihnen aktuelle Tatsachen beschreibt. Dann denke ich: „Person X mag mich.“, weil sie mich zu mögen scheint. Eine äußere Realität wird innen durch Gedanken abgebildet: "Ich bin für diese Arbeit nicht gut genug, also nicht die richtige Person." Hier handelt es sich allerdings eher um eine Einschätzung als um einen Glauben.

Der „einschränkende Glaubenssatz“ oder auch "negative Glaubenssatz" ist der, von dem behauptet wird, er schränke den Menschen ein.

Der positive Glaubenssatz und der Einschätzungssatz: Was ist ein positiver Glaubenssatz? Wer denkt von sich: „Ich bin so liebenswert, alle mögen mich, alle interessieren sich für meine Bedürfnisse und ich bin mehr als nur gut genug“ - mal einfach so ins Blaue hinein? Diese Gedanken machen nur Sinn, wenn man mit ihnen aktuelle Tatsachen beschreibt. Dann denke ich: „Person X mag mich.“, weil sie mich zu mögen scheint. Es ist meine Einschätzung. Manche meiner Einschätzungen werden sich als nicht richtig erweisen. Das liegt in der Natur einer Einschätzung. In der Natur des Glaubens liegt die Unfehlbarkeit, die Zweifelsfreiheit. Der Glaube bietet der Realität die Stirn.

Wenn mich Person X nicht mag, und ich dann denke: „Ich bin suuuper liebenswert!“, nur damit Person X mich zu mögen beginnt, dann nennt man das eine positive Affirmation. (Oder eine bewusst herbeigeführte kognitive Dissonanz).

 

Woher kommen diese „einschränkenden Glaubenssätze“? Sie kommen nicht aus der Kindheit, sondern aus einem aktuellen Gefühl. Dieses Gefühl mag einige Wurzeln in Situationen haben, die in unserer Kindheit stattgefunden haben. Doch das Gefühl ist heute vorhanden. Jeder Leidensgedanke, besonders aber ewige Gedankenkreisläufe werden durch ein darunter liegendes Gefühl erzeugt und angetrieben. In unserer kopfgesteuerten Gesellschaft würden wir alles gerne an den Gedanken fest machen, doch das ist halt einfach nicht richtig.

 

  1. Zu irgend einer Zeit (von mir aus in der Kindheit) wollten wir etwas machen oder ausdrücken. Es war uns wichtig. Zuerst hatten wir also einen Handlungswunsch, eine Motivation, die durch eine starke primäre Emotion getragen war.
  2. Dann scheiterten wir.
  3. Eine sekundäre Widerstandsemotion baut sich auf Grund des Scheiterns auf. Wir konnten das Scheitern nicht akzeptieren. (Sonst hätten wir heute kein Problem mehr damit)
  4. Diese Widerstandsemotion sinkt zusammen mit der Motivation und der primären Emotion als „Paket“ ins Unterbewusstsein. Assoziative Fragmente aus der Situation bilden die Triggerpunkte, die „das Paket“ wieder ins Bewusstsein befördern.
  5. Heute spielen wir in Gedanken mit „Glaubenssätzen“ (in einer Therapie, einer Beratung oder wenn wir ein entsprechendes Buch lesen). Ein Satz geht in Resonanz mit unserem „Paket“. "Es fühlt sich so richtig an!" Deshalb glauben wir auch, dass der Glaubenssatz stimmen muss.

 

Die emotionale Spannung entsteht aber nicht durch den Glaubenssatz, sondern entstand durch die damals nicht durchführbare Handlung. Der Glaubenssatz ist bloß die nachgereichte schein-logische Erklärung, warum es uns gerade schlecht geht. Bestenfalls weist er uns auf unsere Emotionen hin, meistens bleibt die wirklich wichtige primäre Emotion mit der verschleiernden sekundären Widerstandsemotion vermischt.

Doch in Wirklichkeit geht es um eine Handlung, die uns nicht durchführbar erscheint und wegen der wir gerade ein emotionales Revival erleben. Auch hier gilt der Grundsatz: Das Problem ist immer außen. Innen mag ein Konflikt dazu sein, oder auch nicht. Doch innen sind die Emotionen, und die sind nie das Problem sondern nur der Hinweis auf ein Problem im Äußeren.

 

Heute sieht es also so aus:

 

  1. Wir fühlen unser emotionales Paket auf unseren Schultern.
  2. Es scheit uns von den guten Dingen des Lebens abzuhalten.
  3. Das Paket geht zu einem bestimmten Satz (einem so genannten Glaubenssatz) in Resonanz.
  4. Durch die Konzentration und die Beschäftigung mit aversiven (widerstrebenden) Sätzen und Gedanken lenken wir uns jedoch nur von unseren Zielen ab. Wozu sich also überhaupt mit Glaubenssätzen beschäftigen?

 

Glaubenssätze sind total überbewertet.

 

Beispiel:

 

„Ich bin nicht liebenswert.“

  1. Was ist das primäre Gefühl hinter dem sekundären Widerstandsgefühl, dass diesen Satz richtig erscheinen lässt?
  2. In welcher Situation ist dieses Gefühl heute relevant?
  3. Was könntest Du tun, wenn dieses Gefühl nicht da wäre?

 

Anders formuliert: Wenn ich denken würde, dass ich liebenswert wäre, was könnte ich dann machen, was ich jetzt scheinbar nicht machen kann. Wie würde ich mich dabei fühlen, das zu machen?

 

Es ist Unsinn, den Glaubenssatz selbst wegzutherapieren zu wollen. Ich unterläge nämlich einem zweifachen Irrtum: Erstens verwechselte ich innen und außen. Das Problem liegt außen, nicht innen. Zweitens verwechselte ich Gedanken und Gefühle als Ursachen. Es handelt sich wohl eher um ein „Glaubensgefühl“ und das gibt es nicht. Es ist einfach nur ein altes und gerade wieder aktiviertes Gefühl, dass uns ein altes Ziel schmerzhaft zu Bewusstsein zu bringen versucht. Dafür darf es auch mal unsere Aufmerksamkeit bekommen.

 

 

 

Das bringt uns zu der zweiten, und meiner Meinung nach bedeutsamen Form der „Glaubenssätze“, nämlich die Glaubenssätze, die keine sind:

2. Den zweiten Typus nenne ich HoLi (der handlungsorientierter Leitimpuls). Es ist ein inneres Skript, dass direkt mit einer Handlung verbunden ist.

 

Do's & Dont's

Dabei gibt es zwei grundlegende Ausformungen. Die einen werden als zielgerichteter Handlungsimpuls gespeichert, ein To-Do, ein innerer Befehl zu etwas.

 

Dieser innere Befehl zu etwas (To Do) kann sein:

 

1. Verinnerlichter Befehl („Geh aus dem Weg!“)
2. Innerer Auftrag („Handle erfolgreich, werde Arzt, Anwalt, Chef, Spitzensportler.“)
3. Versprechen („Ich bleibe bei Dir, stehe zu Dir, stehe Dir immer bei.“)
4. Erkenntnis („Ich muss das tun, um eine Strafe zu vermeiden.“)
5. Entscheidung („Ich opfere mich.“)

 

Andererseits gibt es auch die Dont's. Hier wurde eine Veränderungsnotwendigkeit eingeklagt, allerdings ohne eine passende Strategie zur Verfügung zu stellen. Selbst die Grundidee, in welcher Richtung die eigentliche Erfüllung liegen könnte, geht daraus oft nicht hervor. So kann ein inneres Versprechen z.B. lauten: "Ich werde anders!", aber wie denn nun eigentlich? Anders ist ja nur eine Negation des Bestehenden. Es fehlt die Zielrichtung für Strategien und es kommt zu einer Verzweiflung aufgrund der Lösungslosigkeit.

 

Dieser innere -Befehl (Don't Do) kann sein:

 

1. verinnerlichtes Verbot („Sei nicht so anstrengend.“ „Sei still.“)
2. Versprechen („Ich werde keine Schande für die Familie sein.“)
3. Entscheidung („Ich mache dabei nicht mit.“)
4. Negation („Du bist zu klein, um das zu tun.“)
5. Erkenntnis („Ich kann das nicht (so) gut (wie ...) machen.“)

 

Beispiel:

Der HoLi, der in einer eine Familie dafür sorgt, dass Zuwendung mit Leistung kompensiert wurde, könnte z.B. lauten: "Handle erfolgreich und halte Distanz." (innerer Auftrag+ verinnerlichte Befehl):

 

Dem Kind einer solchen Familie bleibt in der Umgangskultur seiner Herkunftsfamilie erst einmal kaum eine Wahl. Es übernimmt diesen Befehl, obwohl dieser einige essenzielle Bedürfnisse offen lässt. Der aktive Ausdruck eigener Bedürfnisse findet in der Familienkultur leider keine Gehör. Im familiären Spannungsfeld der Unerfülltheit („halte Distanz“) entsteht eine große individuelle emotionale Spannung. Der dazugehörige Erlösungsweg ist mit dem „handle erfolgreich“ umrissen.

 

Nichts erklärende Erklärungen:

Als Ersatz für die wirklichen Erfüllungshandlungen suchen wir lieber eine Erklärung: „Warum ist das so?“

Es findet sich in weiterer Folge immer irgendein aufgedoppelter erklärender Glaubenssatz, z.B. „Ich bin eben nicht liebenswert und habe es nicht anders verdient.“ Diese Sätze sind nutzloser Unsinn. Man kann sie denken, muss es aber nicht tun. Sätze wird man sowieso nie los, außer durch Alzheimer. Emotionen in Bezug auf seine Ziele kann man jedoch verändern. (siehe auch: Emo-Step®)

Durch den inneren Distanz-Befehl ist die bedürfniserfüllende Tat vereitelt. Findet das Kind eine gute Möglichkeit, um Nähe herzustellen, würde der Glaubenssatz automatisch nicht mehr in Resonanz gehen und somit nicht mehr gedacht werden. Das Problem wäre gelöst, ohne dass man sich mit dem Glaubenssatz beschäftigt hat.

Würde man andererseits die Aufmerksamkeit auf den Glaubenssatz richten, und z.B. eine Gegenformulierung anstreben ("Ich bin wertvoll und liebenswert" - Affirmation) dann hat man erstens nicht an der Wurzel behandelt, zweitens hat man versucht, eine statische innere Erklärung durch eine andere statische Gegenerklärung zu neutralisieren. Es ist jedoch nicht der Glaubenssatz, der die bedürfnisorientierte Handlung unmöglich macht, sondern der innere Befehl (HoLi), „Halte Distanz.“ Solange dieser existiert, existiert die innere Spannung. Wir müssen uns unsere Freiheit zu handeln und uns auszudrücken, zurückerobern. Z.B. mit der Gewaltfreien Kommunikation bekommen wir ein Gefühl für unsere Gefühle, Befürfnisse und Motivationen. Außerdem lernen wir, diese mitzuteilen und zusammenzuarbeiten.

 

Der Blick in die  Zukunft fordert von uns  gute Handlungsoption. Durch die Loslösung von einem handlungs-bestimmenden HoLi ist man zu neuen Handlungen fähig, und somit sind entstandene Glaubenssatz danach ohne Basis und werden automatisch wegfallen.

Glauben heißt, nicht alles wissen zu müssen.

Eine Person möchte zu ihrem Ausdruck und ihrem freien Handeln finden, findet aber keinen Ansatz. Der Glaubenssatz ist nur eine nachgereichte Schein-Erklärung dafür: „Ich bin eben nicht gut genug".

 

Coachingfragen:

1. „Was scheint Ihnen noch nicht möglich an Handlung oder Ausdruck?“
2. „Was scheint Ihnen unmöglich, zu unterlassen.“

 

Dabei gilt nebenbei bemerkt:

a - ich möchte mich ausdrücken
b - ich möchte gesehen werden
c - ich möchte, dass mein Ausdruck als wertvoll bestätigt wird
d - ich will Resonanz auf meinen Ausdruck in Form, dass dieser Wert zu einer weiteren Dynamik führt

 

Es ist total egal, ob wir denken/glauben, nicht gut genug zu sein.

Auf den ersten Blick mag die sinnvolle Frage erscheinen, "Was erscheint mir unmöglich zu tun oder unmöglich zu unterlassen?". Jedoch geht es nicht um das, was im Konflikt nicht möglich ist, sondern um das, was ohne den inneren Konflikt (und die darauf aufbauende Sekundäremotion incl. Drama) möglich wäre.

 

Somit haben wir meistens zwei Probleme:

  1. Wir haben bis heute keinen vollständigen, uns adäquaten Selbstausdruck (incl. positiver Resonanz unseres Umfeldes) erlebt und diesen auch wenig bis gar nicht bei anderen beobachten können.
  2. Wir werden diesen auch in Zukunft nicht erleben, wenn wir unsere Handlungs- und Ausdruckskarft nicht von Skripten wie etwa dem hier beschriebenen handlungsorientierten Leitimpuls befreien.

 

Es macht meiner Meinung nach also viel mehr Sinn, sich mit HoLis, als mit Glaubenssätzen zu beschäftigen. Mit Emo-Step habe ich dabei sehr gute Erfahrungen gemacht.

Schickt mir Euere Gedanken, Ideen und Impulse.

Liebe Grüße,
Gabriel Fritsch

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