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Selbstliebe – pseudopsychologische Mythen Nr. 2
was man uns nicht alles so einreden will ....

 

 

"Du musst dich zuerst selbst lieben!" - ein großer Mythos unserer Zeit. Was es tatsächlich gibt, ist eine immer mal nützliche Unzufriedenheit mit sich selbst und eine weniger nützliche, verinnerlichte Fremdablehnung. Auf der Ebene der Gefühle ist die Scham zu beachten. Diese ist ein Zusammenspiel aus sozialer Ohnmacht und sozialem Schmerz. Die Ohnmacht ihrerseits ist ein Angstgeflecht, dass die Beweglichkeit situativer Ängste verloren hat und zum Spinnennetz für das Bewusstsein geworden ist und es nach unten zieht - die übliche Richtung der Scham. Wir werden schwach , verlieren an Bewusstheit und wollen in der Erde versinken.

Als Kinder lernten wir uns durch die Augen anderer zu sehen und zu verstehen. Waren wir schön, so waren wir es in den Augen anderer, sind wir „gut“, „brav“, tüchtig, fleißig oder strebsam, so waren wir das erst einmal für Mama, Papa und unsere soziale Umgebung. Von diesen lernten wir ihren Blick auf uns und entwickelten so ein interaktives Selbstverständnis. Mit diesem Selbstverständnis, welches eigentlich ein von uns übernommenes Fremdverständnis ist, positionierten wir uns anschließend in unseren Gemeinschaften und der Gesellschaft. Wer das noch detaillierter verstehen will, der kann sich das Modell der Vorbilddimensionen aus der Positiven Psychotherapie in den Büchern von Prof. Peseschkian zu Gemüte ziehen.

Viele Menschen, die wir treffen, haben eine wirklich seltsame Eigenart: Was sie mögen, dessen Nähe suchen sie – es geht ihnen nahe, es geht an sie ran bzw. sie lassen es an sich ran. Was sie allerdings nicht mögen, das lehnen sie ab, stoßen sie weg und lassen sie links liegen. Über diese Zwangsreaktionen sind sie ihren angenehmen und unangenehmen Gefühlen ausgeliefert wie ein Pawlowscher Hund. Solange wir Komfortgeber für diese Personen sind und die uns zugedachten Funktionen ansatzlos erfüllen, solange ist alles gut. Werden wir für diese Leute unbequem, führt das zur Entgleisung der Beziehung. Damit sie dabei keine Verantwortung für Veränderungen übernehmen müssen,  bewerten und beurteilen sie einfach uns: „Du bist so…“, „Du bist viel zu …“, „Warum bist Du nicht wie …?!“.

Wenn also jemand behauptet: „Ich liebe mich selbst nicht“, dann hat er wohl bis dato subjektiv zu wenig Offenheit von anderen erfahren.  Übersetzt heißt der Satz also besser: Ich werde von euch zu wenig gemocht weil ich euch zu wenig (dazu)passe.  Ich mag eueren Blick auf mich nicht, trotzdem habe ich ihn verinnerlicht.

Wenn die Unliebsamkeit vieler Personen in Resonanz geht, dann entsteht zusätzlich noch eine Art kulturelle Ablehnung. Manchmal ist es hip, dünn zu sein - andere werden abgelehnt, dann braucht man wieder ein betimmtes Tatoo oder eine tief hängende Hose. Konventionen und Gegenkonventionen halten uns in Bewegung. Nicht einmal in der Ablehnung sind wir selbst gemeint, sondern immer nur unsere Erscheinung und unser Funktionieren. Eine Gesellschaft dressiert sich selbst. Wir sind individuell und als Kollektiv unser eingener Käfig.

Wer zu wenig Herzlichkeit erlebt, der versucht entweder zu passen oder zu rebellieren: In einer Welt, in der ein Kind zuerst passend sein muss, um dann geliebt zu werden, ist es allerdings nicht leicht, zu einem stabilen Urvertrauen zu finden.

Die dann entstehende Verzweiflung und das aggressive oder autoaggressive Ausleben derselben, ist nicht die Ursache sondern die Folge der Ablehnung durch andere. Bei Konfliktlösungen geht es immer um die Beseitigung der ursächlichen Dynamik, alles andere wäre Symptombekämpfung. Hier hilft die KommunikationsEntwicklung, die Bedürfnisse aller Personen bewusst zu machen, ohne dass die Achtsamkeit füreinander verloren geht. Die Grenzen der Kommunikation sind die Grenzen der Beziehung. Stoßen wir auf diese Grenzen, stoßen wir auf Abgrenzung, Abwendung und Abweisung. Hier gilt es, sich gemeinsam weiterzuentwickeln und nicht, auf seltsame Weise mit sich selbst alleine glücklich zu werden – für soziale Wesen ein widernatürliches Experiment.

„Ich liebe mich so sehr, dass ich die Liebe von niemanden mehr brauche.“ Diese Aussage ist völlig unrealistisch. Sie bringt die große und unerfüllbare Sehnsucht verletzter Seelen nach Unabhängigkeit zum Ausdruck. Egoistische Selbstbezogenheit und autistische Wesensverschließung werden ebenso wenig zu einer interaktiven Befriedigungen führen, wie weiteres Anpassen und weiterer Selbstverzicht.

Menschen, die subjektiv genug konditionsfreie Liebe erfahren haben, die erscheinen meistens recht unabhängig. Wenn einem Kind genug Vertrauen entgegengebracht wurde, beginnt es sich selbst, seinen eigenen Impulsen und denen anderer Menschen zu vertrauen. Personen, die einen subjektiv erlebten Mangel an Offenheit und Vertrauen durch Anpassung auszugleichen versuchten, haben sich andererseits unangenehme und uneffektive verstrickt. Außerdem sorgt eine immer größere Anpassung an die Wünsche anderer dazu, dass wir selbst mit unseren Eigenheiten, Wünschen und Ansprüchen unsichtbar werden. Die übliche Reaktion anderer auf diese Tarnkappentechnik „im Dienste anderer“ ist Wut. „Selbstliebe“ würde hier bedeuten, von dem suchtartig gelebten „Es-Anderen-Recht-Machen-Wollen“ etwas zurückzutreten und zum liebevollen und klaren Vertreter unserer eigenen Impulse zu werden, ohne unsere Offenheit für die Bedürfnisse anderer zu verlieren. Das Wort „Selbstliebe“ passt hier jedoch überhaupt nicht. Es ist eine Bewegung der Souveränität, des Mutes und der Offenheit. Hier geht es nämlich nicht um die gelungene Bezogenheit auf sich selbst, sondern um eine veränderte Begegnung mit anderen Personen, bei der die eigenen Impulse offen, klar und souverän einfließen, um dann Teil einer reifen kommunikativen Abstimmungsbewegung werden zu können. Den Ausdruck  „Liebe“ aus dem Zusammenhang gelingender Verbindungen zu entreißen, um es in singulären Selbstbedeutungswelten stranden zu lassen, ist fast eine Gewalt gegen die ursächliche Wortbedeutung.

Des weitern kann es nicht darum gehen, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass sich andere entschieden haben, uns aus ihrer Hilflosigkeit heraus abzulehnen. Genau das haben wir aber mit der Selbstablehnung getan. Insofern macht es Sinn, ihnen diese Verantwortung für ihre Entscheidungen zurückzugeben (100% Energieeinsparung) und die eigene Kraft für eine bessere gemeinsame Zukunft einzusetzen – besonders mit den Leuten, die man mit seinen Erwartungen nicht hoffnungslos überfordert.

Wir bräuchten also die klare Unterscheidung der Worte lieben und mögen. In Amerika ist mit „I love it“ und „i like it“ meistens das gleiche gemeint. Um zwischen einer Person und ihrem Verhalten unterscheiden zu können, müssen wir den Menschen lieben und sein Verhalten mögen oder eben nicht mögen. Nur so können wir ein Verhalten ablehnen ohne gleich die ganze Person wegzustoßen.

Überall dort, wo Person und Verhalten als eines gesehen wird, wird die Frage nach Liebe sowieso nicht auftauchen. Wenn und solange jemand funktioniert, wird er gemocht werden. Wenn wir nicht ausreichend funktionieren, werden wir auch nicht mehr gemocht. Der Ausweg kann nun nicht sein, uns dann „selbst zu lieben“ anstatt anderen lästig zu fallen. Das wird der direkte Weg in die Einsamkeit, wo doch mehr wechselseitige Achtsamkeit gesucht wird.

Slowpoints:

# Was passiert, wenn wir uns anderen zumuten?

# Wenn andere nicht die Fähigkeit haben, dich und dein Verhalten zu mögen, dann hast du vielleicht die Fähigkeit, diese Menschen und deren Verhalten zu mögen. Wir entkoppeln also unser Mögen von der Passivität der Reaktivität. Wir beginnen, selbstständig zu mögen. Finde deinen Platz als Mögender und nicht als Gemocht-Werden-Wollender. Die Fähigkeit zu mögen liegt in unserer eigenen Hand.

# Kindersprüche:

„Wenn du mich nicht magst, mag ich dich auch nicht.“

„Wenn du das machst, dann bist du nicht mehr mein Freund.“

# Beginnen wir uns den unangenehmen Emotionen zuzuwenden. In uns muss ein Bewusstseinsraum für sie sein, in dem wir sie einige Momente halten und aushalten können. Nur dann können wir an der Intelligenz der Emotionen teilhaben, anstatt zu deren Marionetten zu werden. Jeder geht übrigens in Krisen entweder mit sich selbst oder mit anderen genau gleich wie mit seinen unangenehmen Gefühlen um.

# Wir werden nicht umhin können, uns in kooperativer Kommunikation weiterzubilden, weil uns sonst nur die Optionen bleiben, uns durchzusetzen, nachzugeben, auszuweichen oder völlig zu dissoziieren. Die Gewaltfreie Kommunikation bietet hier viele Erfolgserlebnisse. Wie das Lernen einer Fremdsprache braucht eine tiefgreifende Veränderung zwar Zeit und Bemühung, zahlt sich aber irgendwann richtig aus.

 

Schickt mir Euere Gedanken, Ideen und Impulse.

Liebe Grüße,
Gabriel Fritsch

 

 

 

 

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