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Impuls 004 - Die kommunikative Verzweiflung
 ... das Gefühl am Gegenüber zu zerschellen...

 

 

Scheiterten wir, nachdem wir in nach und nach immer hitzigeren Debatten jemandem unseren Standpunkt vermitteln wollten, so wird uns das leicht als persönliche Schwäche ausgelegt. Mit uns könne man nicht reden. Dabei ist unser Gegenüber ja genauso gescheitert wie wir. Kommunikation besteht aus senden und empfangen, und da lief etwas schief. Zu glauben, dass  hier ein rein individuelles Problem zu Grunde liegt, wird der Sache nicht gerecht. Individuell ist aber das immer mal erlebte Gefühl der Verzweiflung, wenn wir an anderen Menschen abprallen.

Als Menschen sind wir soziale Wesen. Soziale Wesen mit einem hochkomplexem Innenleben, mit dem wir uns als geschätzte TeilneherInnen erfahren wollen, wenn wir anderen Menschen begegnen. Genau genommen ist es mehr als nur ein Wollen – es ist ein durchaus existenzieller Drang nach  tragfähigen Brücken zu  anderen Personen. Schwein in Kreide auf Asphalt

Wir sind auf die Sprache angewiesen. Es ist nicht das einzige Medium der Kommunikation,doch das wichtigste. Daneben gibt es Berührung, Gestik, Mimik,situationsspezifisches Verhalten (z.B. jemanden ignorieren, hüsteln, sich abwenden, Blumen nach Hause bringen ...) usw. Doch besonders unser humanoides, in unserer Gesellschaft linkshemisphärisch übersteuertes Großhirn braucht die Sprache wie ein Fisch das Wasser.

Die vier Stufen der Interaktion sind:
1. Information
2. Kommunikation
3. Kooperation
4. Collective Ation.

Die Informationen (Punkt 1) sind in unserem Informationszeitalter natürlich Informationen für das Großhirn, die in Sprache geschrieben, gelesen, gesprochen oder gedacht werden. Auf Grund der Indormationen kommunizieren wir dann (Punkt 2).

Nun ist Sprache nicht gleich Sprache. Dabei rede ich nicht von Deutsch, Englisch oder Französisch. Tauchten wir in den Syntax und die Semantik der Sprache ein, würden wir eines mit Erschrecken erkennen: So, wie wir uns üblicher Weise unterhalten, wird es fast unmöglich, sich jemanden zur eigenen Zufriedenheit zu vermitteln. Der Aufbau der Sprache unterstützt uns nicht ausreichend, mögen wir uns noch so gewählt ausdrücken.

1. Mose 11:7      Wohlauf, lasst uns herniederfahren und ihre Sprache daselbst verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe!

„... dass keiner des anderen Sprache verstehe“ scheint mir nicht die verschiedenen Nationen zu betreffen. Aus meiner beruflichen Praxis weiß ich: Ein Mensch versteht den anderen nicht. Kaum jemand schafft es, sich wirklich ausreichend zu vermitteln und sein Gegenüber hinter dessen Worte zu verstehen.

Wir nehmen unser Verständnis von den Worte einer Person wichtiger, als die Person selbst.

Glauben Sie nicht? Bitte lesen Sie noch einen Moment weiter, denn auch ich möchte Ihnen dieses Thema zu meiner Zufriedenheit nahe bringen.

Aus der Positiven Psychotherapie nach Nossrat Peseschkian kennen wir das Model der Vorbilddimensionen. Es besagt, dass wir uns als Kind selbst zu verstehen lernen, in dem die nahen Bezugspersonen uns ansehen , uns spiegeln, uns ihr Verständnis von uns zeigen und mit uns in ein kommunikatives Spiel eintreten. Wir lernen uns in den Augen anderer Personen (P1).

Wir lernen die gute Kommunikation mit andern, indem wir andere (z.B. unsere Eltern) beim Kommunizieren beobachten. Hierbei gibt es die Begegnung mit nur einem Menschen(P2) und die Begegnung mit einer Gruppe von Menschen(P3).

 


Den kulturellen Verständnisrahmen, ohne den keine Sprache auskommt, lernen wir, indem wir das Verhalten und die Worte von Menschen in den verschiedensten Kontexten betrachten. Schnell merkt das Kind, dass man sich zu Hause anders verhält, als in der Schule, auf einem Amt oder in einer Kirche. Wenn keine Erwachsenen auf den Gehwegen ihre Picknickdecke ausbreiten, dann wird es das Kind auch nicht machen. Ein sich ausreichend ähnelnder Verständnisrahmen einerseits und der Hang zur Konformität andererseits sorgen dafür, dass wir uns unterhalten und miteinander arbeiten können. Prallen verschiedene Verständniskulturen aufeinander, scheitern wir oft schon im Ansatz. Nehmen wir das oft strapazierte Beispiel von Frauen und Männern. Das Wörterbuch Frau – Mann, Mann – Frau musste zu einem Renner werden. Geholfen hat es natürlich wenig. Männer und Frauen haben einfach leicht verschiedene Verständnisrahmen (Mindsets, Paradigmen).

Aus den Vorbilddimensionen lernen wir eines: Wir sind auf die Sprache und die Kommunikationsformen angewiesen, die unsere Eltern pflegten. Hatte deren Sprache ein Defizit auf einer der Ebenen von P1 bis P4, so haben wir das in irgendeiner Form übernommen.

Natürlich könnten wir auch eine Sprache weiterentwickeln, doch eben nicht alleine.

Eine heute weltweit verstandene Sprache ist Geld. Dieses seltsame, schuldbasierte Konzept hat eine Erfolgsgeschichte hinter sich, die seinesgleichen sucht. Die Konstruktion dieser Verteilungskultur weist bekanntermaßen genauso gravierende Fehler für Wohlstand, Wohlbefinden und Fairness auf, wie unsere Sprech- und Denksprache. Doch wer verändert so ein Verteilungs- und Anreizsystem, sodass es für die globale Allgemeinheit besser funktioniert? Niemand. Die meisten Leute würden sich noch mit Händen und Füßen wehren, da eine Veränderung des Geldwesens eine Veränderung ihres Weltbildes nach sich ziehen würde. Der Drang nach Kontinuität und Konformität ist transkulturell systemimmanent. Nur so können wir uns  ausreichend aufeinander abstimmen. Es würde z.B. reichen, dass jemand sich mit Lippenstift ein Zeichen auf die Backe malt, er würde kein Bewerbungsgespräch erfolgreich bestehen. Es besteht der Verdacht, das die Person innerlich flexibler ist, als dass wir die unternehmensinternen Abläufe sehen wollen. Er passt uns also nicht.

Wir brauchen also die Ähnlichkeit von Verständnis- und Verhaltensformen zur gelingenden Kommunikation. Doch bleiben wir der uns antrainierten Sprache und Kommunikationsform treu, so scheitern wir in den Begegnungen, in denen es um etwas geht, da die Sprache leider unzureichend ist. Wir sind in einem Dilemma.

In den Konfliktberatungen prallen Menschen mit hoher innerer Dynamik aufeinander. Das meiste dieser Dynamik entstand nicht aus einem Gegensatz an Interessen. Es entstand aus dem Frust, nicht gehört und versanden zu werden, sodass man die Abbildung seiner Meinung im Gegenüber noch als seine eigene wieder erkennen könnte.

Unser Gemisch aus Erinnerungsfragmenten, Emotionen, Hoffnungen und Antrieben kompilieren wir zu unseren verbalen Aussagen, während wir die Aussagen anderer interpretieren – verstümmeln wäre ein anderes Wort dafür. Keiner erkennt seine Beiträge beim anderen noch wieder. Sollte man das etwa Kommunikation nennen?

Begreift man die Hoffnungslosigkeit des Wunsches nach einem gelingenden Miteinander, so breitet sich eine kommunikative Verzweiflung aus. Diese kann – durch die bewusst werdende tiefe innere Einsamkeit – in eine solide Resignation münden. Ein soziales Wesen kann sich nicht mit einer kommunikativen Vereinsamung abfinden.

Krisen führen einen bekannter Maßen zu sich selbst, doch sollte man dann nicht bei sich selbst enden und verenden. Ausreichende Brücken zu anderen Menschen sind für uns lebensnotwendig und überlebensnotwendig.

Hier kommt die „Gewaltfreie Kommunikation“ nach Marshall Rosenberg ins Spiel. Leider ist der Titel irreführend, da die meisten Menschen unter „Gewaltfreier Kommunikation“ erst einmal eine nette, formoptimierte Kommunikation verstehen, was sie aber nicht ist. Rosenberg hat es geschafft, eine, zugegebener Maßen: Behelfssprache für Krisen zu entwickeln, die auch interkulturell sehr gut funktioniert. Wir können dabei zwischen gewaltfrei hören und gewaltfrei sprechen unterscheiden. Ersteres ist meiner Erfahrung nach auch alltagstauglich. Hier haben wir ein gutes Werkzeug zu einer besseren Verständigung zur Hand, das auch in den Krisenregionen dieser Erde erprobt ist. Meine eigenen Erfahrungen, beruflich wie privat, sind ebenso positiv.

Die Tiefe einer Verbindung ist allerdings auch immer von der Tiefe der Personen abhängig. Krisen und Lebensdramen vertiefen und weiten die Seele, wenn sie bewusst erlebt und durchlebt werden. Jede Verzweiflung ist die emotionale Nebenerscheinung einer inneren Ausweitung, so wir sie nicht mit Aversion oder Depression verhindern.

Üben wir also zum Einen, unsere Gefühle einfach offen zu fühlen, selbst wenn diese unangenehm sind (Das gilt allerdings nur sehr bedingt für die Gefühle des Widerstands und der Auflehnung). Zum Anderen ist es sinnvoll, sich besonderst zur Klärung wichtiger Themen die Erkenntnisse der Gewaltfreien Kommunikation zu Nutzen zu machen. Das spart Zeit und Nerven, denn mit einem Hammer kann man keine Schrauben eindrehen, mit einem Schraubenzieher schon.

Jeder Konflikt ist nur dann gelöst, wenn beide Parteien ihn als gelöst ansehen. Dazu wünsche ich Ihnen einen auf nichts begründeten inneren Frieden und den Beistand der Schiksalskräfte, besonderst dann, wenn sie sich gerade in einer Phase von tiefer kommunikativer Verzweiflung befinden. Kommunikation funktioniert, auch wenn wir nicht immer wissen, wie.

Ihr
Gabriel Fritsch

Wer nicht genießt, wird ungenießbar.

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Liebe Grüße,
Gabriel Fritsch

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