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 Impuls Nr. 3 - Gefühle verstehen lernen - Teil I

 

 

Wir können unser Bewusstsein  in drei Qualitätsstufen unterteilen:

  1. Phlegma, Unbewusstheit
  2. Raumbewusstsein (offenes, weites Erleben)
  3. Veränderungsbewusstsein (fokussiertes, planmäßiges Verändern)
 
Im Phlegma sind wir unbewusst und haben die Gefühle abgespalten oder verdrängt. Vielleicht haben wir auch noch gar nicht gelernt, zu fühlen. Fühlen lernen heißt, sich seiner Gefühle bewusst zu werden. Jeder Mensch wird durch vor-emotionale Impulse angetrieben, doch nicht alle können einen Impuls, Trieb oder Affekt in sich bewusst zu einem Gefühl ausreifen lassen. Dies geschieht durch das Zusammenspiel von:
 
1.      Bauch – Impulse, Triebe, Affekte, Reflexe („Reptiliengehirn“)
2.      Herz – Gefühle, Emotionen („limbisches System“)
3.      Kopf – Verständnis, Gedanken, Überlegungen („Großhirnrinde“)

Um unsere Bauchebene brauchen wir uns nicht groß zu sorgen. Die funktioniert seit Urzeiten und braucht auch nichts dazulernen.

Das Herz benötigt Zeit und Frieden, damit es einen offenen Spürraum bilden kann. Stress, Hektik und Abwendung sind dabei klare Gegenspieler. In uns zu ruhen heißt, unsere impulsiven An-Triebe und Reflexe in uns zu einer bewegten Ruhe zu bringen, ohne sie zu ignorieren, zu dämpfen oder schönzureden. Dadurch reifen sie zu Gefühlen aus.

Diese Gefühle können vom Kopf aus erkannt und verstanden werden. Da unser Verstand aber nur denken und nicht fühlen kann, brauchen wir etwas: Passende Worte und Begriffe für die Gefühle und Emotionen.


Bei angenehmen Gefühlen können wir das offene und weite Raumbewusstsein meistens gut halten. Wir genießen, schwelgen und erleben. Werden angenehme Gefühle jedoch zu intensiv, ziehen wir uns erschreckt zurück.
 
Unangenehme Gefühle erwecken einen abwehrenden Reflex, der uns in das Veränderungsbewusstsein befördert, bevor aus dem Impuls ein Gefühl heranreifen konnte. Wir handeln dann impulsiv und getrieben. Leider kann der Verstand Impulse noch schlechter wahrnehmen als Gefühle. Deshalb bleibt uns selbst diese Tatsache meistens verborgen, während andere das von außen gut erkennen mögen.
 
Im Veränderungsbewusstsein steht eines für uns fest: Etwas werden wir oder wird sich verändern müssen. Bei unangenehmen Emotionen kann das ein ganz konkreter Lösungswunsch oder eine abstrakte Hoffnung auf "Heilung", "Ruhe" oder "Ganzwerdung" sein.
 
Werden wir uns unangenehmer Gefühle bewusst, ist das meist von einer spontanen Abwehrreaktion begleitet. Ohne diesen Gefühlen einen offenen Raum zur Bewusstwerdung geben zu können, schalten wir von spüren (Raumbewusstsein) auf lösen (Veränderungsbewusstsein) um. Wir wollen Glaubenssätze transformieren, das innere Kind heilen, hemmende Muster los werden oder uns mit den Eltern versöhnen. Jeder machbare Ansatz ist uns recht, nur spüren wollen wir dann nicht.
Genauso wäre es möglich, statt dessen zu dissoziieren, sich abzulenken und abzuwenden. Was wir allerdings nicht schaffen, ist einfach die Ganzheit des Gefühls im Raumbewusstsein lange genug zuzulassen, so wie sie ist. Deshalb wird auch keine unserer vorschnellen Handlungen aus der Ganzheit einer entwickelten emotionalen Wahrnehmung kommen, sondern immer nur eine wegmachende, trennende "Lösung" anbieten.
 
Marshall Rosenberg sagte dazu, dass wir erst lernten müssten, unangenehme Gefühle zu genießen, wollten wir es schaffen, echte Nähe und Intimität in Beziehungen zu finden. Jedes mal, wenn wir uns einem Lösungsversuch zuwenden, um unangenehme Gefühle zu beseitigen, wenden wir uns in der selben Sekunde vom Menschen ab, der die Gefühle erlebt – seien wir das selbst oder jemand anderes.
 
Eine echte Zuwendung zu einem Menschen bedeutet unsere Offenheit, mit der wir seinen angenehmen und unangenehmen Gefühlen in uns Raum geben, ohne das Erlebnis durch Bewertungen oder Veränderungsimpulse zu schmälern. Das gilt genauso für uns selbst und unsere eigenen Emotionen.
 
Aus dem ganzheitlichen Gefühlserleben kommt eine ganzheitliche Dynamik in Gang, die stimmig verändert. Wir handeln aus dem Gefühl heraus und doktern nicht am Gefühl herum.
 
Bestimmte Wiederstandsgefühle werden allerdings gesondert betrachtet, denn sie entstehen aus einer vorherigen Gefühlsabwehr. Diese Widerstandsgefühle sind Wut, Ohnmacht und passive Sehnsucht. Es macht für Anfänger wenig Sinn, diesen Abwehremotionen Raum zu geben, da sie uns von uns selbst entfremden und uns von unseren positiven Zielen abhalten. Wenn wir den inneren Widerstand fallen lassen, kommen wir auf die ursprünglichen Gefühle zurück, die mit positiven Zielen verbunden sind.
 
Emotionen und Sinne zeichnen innere und äußere Bewegungen in unserem Bewusstsein nach.
 
Bewusstes Spüren erfordert Zeit. Die Unversehrtheit einer Person hat immer Vorrang. Eine Gefahr erfordert spontanes Handeln. Deshalb unterscheiden wir zwischen gefährlichen und unangenehmen Situationen. Bei ersteren helfen uns die Abwehrreflexe, zu überleben. Bei letzteren hilft uns unser Verstand, die den Emotionen zugrunde liegenden Bedürfnisse zu erkennen und intelligente Strategien zu entwickeln. Das ist Übungssache.

Schickt mir Euere Gedanken, Ideen und Impulse.

Liebe Grüße,
Gabriel Fritsch